Baden-Baden 12.- 17.05.2019

12.05.2019 – Zum Merkur

Nachdem es zu Hause jetzt eine Woche lang geregnet hat, waren unsere Erwartungen ans Wetter nicht allzu hoch, aber Baden-Baden empfängt uns mit Sonnenschein. Vom Balkon unserer Ferienwohnung kann man direkt auf den Merkur schauen… da müssen wir hin! Jetzt!

Von der Wohnung geht es in Richtung Waldcafé vorbei an einer echten Wiese mit richtigen Blumen… und einem echten Reh drauf…

Nach kurzer Zeit erreichen wir die Talstation der Merkurbahn, einer abenteuerlichen alten Drahtseilbahn, die vorbei an wilden Rhododendronhecken ziemlich steil nach oben fährt

Den Merkurturm habe ich auch etwa 1956 zum letztenmal aus der Nähe gesehen… damals war der Anbau noch eckig und mit einem ebensolchen verglasten Holzaufbau versehen wie der Hauptturm…

Inzwischen beherbergt der Anbau einen gigantischen Mast, der Dutzende von Antennen aufnimmt, der Hauptturm kann aber immer noch begangen werden.

Von der obersten Aussichtsplattform des Turms hat man einen tollen Blick über die Stadt, auch wenn es heute trotz Sonne etwas diesig ist.

Die Karte des Restaurants ist zwar recht übersichtlich aber bevor wir uns auf den Fußmarsch nach unten machen, muß eine Stärkung her.

Der Rückweg führt durch das ‚Paradies‘, eine Wassertreppe aus den frühen 20er Jahren, die im Baden-Badener Villenviertel steht…

…im Hintergrund ist die Stiftskirche zu sehen, deren Stundenschlag ich als Kind immer gehört habe.

13.05.2019 – Ebersteinburg-Runde und Battert

Heute wollen wir zum Battert, dessen steiles Felsmassiv sich mit zahlreichen Zinnen nördlich von Baden-Baden erhebt und unter anderem vielen Alpin-Kletterern als Übungsgelände dient. Wir parken in Ebersteinburg und gehen zunächst zur Burgruine hoch, deren Turm man schon von weitem sehen kann.

Vom Turm hat man den ersten Ausblick, auch wenn es noch etwas diesig ist…

Ab der Burgruine geht es durch den Wald, der durch die Regenfälle der letzten Wochen recht üppig grünt…

Am Weg gibt es immer wieder tolle Ausblicke…

…auf nicht immer ganz ungefährlichen Zuwegen.

Schon bald sind wir an der Wolfsschlucht

Vom unteren Felsenweg kann man die zahlreichen Zinnen des Battert sehen…

…ist man am alten Schloß vorbei, geht es auf dem oberen Felsenweg zurück, von wo man auch wieder spektakuläre Ausblicke hat.

14.05.2019 – Korbmattfelsen und Batscharihaus

Da uns die gestrige Wanderung doch etwas in die Knochen gegangen ist, lassen wir es heute etwas ruhiger angehen und entscheiden uns für eine kleinere Rundwanderung.
Am Tiergarten nahe dem Südwestfunk auf dem Fremersberg stellen wir das Auto ab und gehen durch wunderschöne Waldwege in Richtung Korbmattfelsen.

Sowohl der Waldmeister als auch die Walderdbeeren blühen…

Bald ist der kleine Aussichtspunkt am Korbmattfelsen erreicht, von dem man direkt auf den Fremersberg schaut.

Weiter geht es durch den unglaublich saftig grünen Wald…

…und wir erreichen gegen Mittag das Batscharihaus, eine feudale Rasthütte für Wanderer.

Von hier aus hat man wohl einen der besten Blicke auf Baden-Baden, links im Hintergrund der Battertfelsen, rechts der Merkur.

Nach kurzer Rast geht es dann wieder über den Wald-Rundweg zurück zum Tiergarten.

15.05.2019 – Was ging, was blieb?

Von unserer Residenz in der Hahnhofstraße geht man etwa eine Viertelstunde bis zum Waldcafé, das sich unterhalb der Talstation der Merkurbahn befindet. Alle Häuser hier in der Straße scheinen nach den 50er Jahren entstanden zu sein, was im Umkehrschluß heißt: hier war in meiner Kindheit noch unbebaute Natur…

War das vielleicht die Gegend mit den Blumenwiesen, die ich in Erinnerung habe, die wir damals so schnell von zu Hause erreichen konnten und die wir ‚Helenental‘ nannten? Wenn das letzte Haus der Straße passiert ist, sieht die Gegend fast so aus, wie ich sie in Erinnerung habe…

Geht man hingegen von unserer Ferienwohnung Richtung Innenstadt, erreicht man nach wenigen Minuten die russische Kirche…

…an die ich mich tatsächlich noch erinnern kann und wenige Minuten danach ist man dann an der Stephanienstrasse, wo wir bis 1957 das Haus Nr. 57 bewohnt hatten. Auf einer Urlaubsfahrt in die Schweiz hatten wir 1977 – also vor 42 Jahren – hier schon einmal kurz angehalten, weil ich neugierig war, was aus dem Haus geworden war. Mit etwas Phantasie konnte man damals die aufgemalte Hausnummer 57 noch erkennen…

…heute hat das alte Haus offenbar nicht nur einige Renovierungen hinter sich, sondern auch eine Umnumerierung, es ist jetzt die Nummer 55, wo wir ganz oben die Kniestockwohnung bewohnt hatten.

Unmittelbar gegenüber, im Haus 56, war der Konsum, ein Lebensmittelgeschäft, in das ich oft für kleinere Einkäufe geschickt wurde. Hatte die Verkäuferin gerade kein 5 Pfennig Stück, gab es eine Portion Sauerkraut aus dem Fass mit einem Stück Pergamentpapier auf die Hand… was zu Hause gelegentlich Erklärungsnöte auslöste.

Vor dem Konsum zweigte die kleine Blechnergasse ab, wo wir häufig spielten und wo der Lumpensammler wohnte, den mein Vater für einen der reichsten Baden-Badener hielt. Die Blechnergasse mündete im Russelbuckel… erst als wir längst nicht mehr dort wohnten, erfuhr ich die amtliche Straßenbezeichnung: Du Russel Straße!

Der Russelbuckel mündet in die Lichtentaler Strasse, überquert man diese, gelangt man bald an die Oos und die Gönner Anlagen, die sich bis ins Kurgelände der Stadt ziehen.

Auch die Anlagen sind noch dunkel in meiner Erinnerung, ebenso wie das Kurhaus mit der Konzertmuschel und die prunkvolle Trinkhalle.

Nicht weit vom Kurhaus gibt es tatsächlich noch das kleine Fotogeschäft, wo mein Vater seine Ausrüstung gekauft hat…

von hier führt die Straße zum Leopoldsplatz, den man stark aufgehübscht hat mit einem riesigen modernen Brunnen. Zu meiner Zeit gab es den noch nicht, aber mittig auf der Kreuzung stand eine kleine Kanzel, in der ein Polizist den Verkehr regelte, der aufgrund seiner Geringfügigkeit damals noch mitten durch die Stadt fahren durfte.

Von hier geht auch die Luisenstraße ab, wo einst die Barberina stand, bzw später ein ähnlich benanntes, etwas halbseiden anmutendes Etablissement, das nach dem einstmals renommierten Nachtlokal kam und den Stadtvätern wohl irgendwann etwas rufschädigend vorkam, weshalb man die Fassade inzwischen wieder von den Granitplatten befreit hat und ihr den alten, schlichten, klassizistischen Charme zurückgegeben hat. Mit dem benachbarten Europäischen Hof hat man möglicherweise ähnliches vor, denn er ist zur Zeit komplett eingerüstet.

16.05.2019 – Gertelbach-Wasserfälle

Bühl, zu Baden-Baden gehörend, ist von dort rund 20 Straßenkilometer entfernt. Bei dem Örtchen Bühlertal stellen wir unser Auto ab und bald geht es zwischen blühendem Ginster von 350 auf über 800m hinauf.

Auf dem geschotterten Waldweg kommt uns ein Langholzwagen entgegen, der dank lenkbarem Nachläufer tatsächlich um die engen Kurven kommt.

Schnell noch mal testen, ob das noch genauso gut geht wie vor 60 Jahren, bevor diese Stämme auch abgeholt werden…

Vom höchsten Punkt unserer Wanderung auf der Bühler Höhe geht es langsam bergab durch den auch hier in üppigstem Grün stehenden Wald in Richtung der Wasserfälle.

Nach fast 10km haben wir dann die oberen Fälle erreicht und steigen langsam ab.

Bei schneller Kamera-Verschlusszeit kann man sehen, wie das Wasser die Granitbrocken umspült.

Im unteren Drittel wird der Gertelbach wieder etwas ruhiger und eine Bank lädt zu kurzer Rast ein. In der Hochsaison wird das wahrscheinlich nicht möglich sein, wie die Kapazität der Wanderparkplätze vermuten läßt, auf denen wir heute morgen noch alleine standen.

Jetzt normalisiert sich der Bach langsam wieder und nach rund 4 Stunden und 14km sind wir wieder am Auto.

17.05.2019 – Zur Yburg

Heute ist der letzte Tag unserer Baden-Baden Woche, den wir bei vorausgesagtem Sommerwetter mit einer Wanderung zur nahe gelegenen Yburg verbringen wollen.
Meine letzte Erinnerung an die Yburg ist eine Wanderung, die etwa 60 Jahre zurück liegt, von der ich noch eine kleine Plastik-Anstecknadel habe, die ich auf einem Bild aus dieser Zeit stolz am Hemd trage.

Unsere heutige Wanderung beginnt in dem Weinort Neuweier, wo wir das Auto an der Kirche abstellen und in Richtung der Burg gehen, die weithin sichtbar ist.

Im Grunde ist nur der vordere Bergfried zu sehen und das Restaurant, das auf den Grundmauern des ehemaligen Palas errichtet wurde.

Der Anstieg ist ziemlich steil und führt anfangs noch durch die Weinberge, bald aber durch den Wald, der den Hügel rund um die Burg bedeckt.

Bald erreichen wir die Außenmauern der Ruine, die nach mehrfacher totaler Zerstörung zumindest wieder teilrestauriert wurde.

Schon von hier aus bietet sich ein toller Blick über die zahlreichen Hügel der Badener Landschaft.

Das Restaurantgebäude wurde im Schwarzwälder Stil errichtet, dort werden wir gleich einen Kaffee trinken.

An gleicher Stelle saß ich 1957 mit Tante und Schwester… außer den Tischen und den Stühlen scheint sich nicht viel verändert zu haben.

My beautiful picture

Vorher geht’s heute aber noch über eine endlose Treppe hinauf auf den Bergfried, den man inzwischen zum Aussichtsturm umgebaut hat.

Hier oben ist die Aussicht natürlich nochmal ein bißchen besser.

Von der kleinen Terrasse des Restaurants schaut man auf das Dorf hinunter, von dem wir gestartet sind und zu dem wir nachher auf einem anderen Weg zurückgehen werden.

Ein letzter Blick und wir machen uns auf den Rückweg, der zunächst ein Stück über die normale Zufahrtsstraße führt…

…dann aber in teils recht abenteuerlichem Stil querfeldein nach unten geht.

Die letzten Meter gehen wieder durch Weinberge, wo man stellenweise kleine Blumenstreifen gesät hat, um die Bienen anzulocken.

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